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„Nachricht vom Schlachtfeld des Weltkrieges 1914“

Der Erste Weltkrieg (1914-1918), die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, forderte ungeheure Opfer sowohl an den Fronten als auch in der jeweiligen Heimat in den kriegsbeteiligten Staaten. Auch zahlreiche Soldaten aus Dessau, Roßlau und Umgebung kämpften und starben auf den Schlachtfeldern dieses Krieges. Viele von Ihnen kehrten nicht zurück. Nicht selten konnten die zurück bleibenden Angehörigen nie in Erfahrung bringen, welches konkrete Schicksal ihr Ehemann, Sohn, Freund oder Bekannter erlitten hatte. Oft blieben den Angehörigen nur noch Feldpostkarten und Feldpostbriefe des Vermissten oder Gefallenen oder aber offizielle Mitteilungen der Kompanieführer als letzte Erinnerungsstücke. Eine solche „Nachricht vom Schlachtfeld des Weltkrieges 1914“ aus den Beständen des Stadtarchivs wird als Archivale des Monats Mai in den Räumlichkeiten des Archivverbundes Dessau gezeigt. Es handelt sich um eine „offizielle“ Feldpostkarte, die an den Schneidermeister Otto Reinicke in der Amalienstraße 36 in Dessau gerichtet ist. Sie hat folgenden Wortlaut: „Vezaponin, 30.10.1914. Im Auftrage des Komp. Führers teile ich Ihnen mit, daß uns der jetzige Aufenthalt Ihres Sohnes leider unbekannt ist. Für gute Wartung und Pflege ist jedenfalls Sorge getragen. I.A. Grafschaff. Feldw. 11 R. 36.“ Bei dem Vermissten handelte es sich um den gleichnamigen, am 3. November 1888 geborenen Sohn von Otto Reinicke und seiner Ehefrau Ida geb. Kahrstedt. Konnte ein solches Schreiben wirklich beruhigen? Zum Schicksal Otto Reinickes konnte das Stadtarchiv folgendes recherchieren: Otto Reinicke war Angehöriger der 11. Kompanie des 36. Reserve-Infanterieregiments. Dieses Regiment nahm am 17. September 1914 an heftigen Kämpfen in Cuts (bei Soissons in Nordfrankreich) teil, bei denen mehrere Soldaten aus Dessau und Roßlau verwundet wurden, fielen oder in Gefangenschaft gerieten. Otto Reinicke wurde bei Cuts verwundet und geriet in Gefangenschaft. Dort ist er sehr wahrscheinlich bald gestorben. Genaueres hierüber ist aber nicht überliefert. Allerdings erhielt das Zentralkomitee des Deutschen Roten Kreuzes von französischer Seite später die Auskunft, dass Otto Reinicke bei diesen Kämpfen in Cuts „verwundet und seitdem vermisst“ wurde. Das Stadtarchiv Dessau-Roßlau ist an weiteren Erinnerungszeugnissen an den Ersten Weltkrieg 1914 bis 1918 interessiert (Feldpost, Fotos, Militärdokumente usw. aus den Kampfgebieten, aber auch schriftliche, bildliche oder Sachzeugnisse von der sogenannten „Heimatfront“). Bitte sprechen Sie uns an!

Archivverbund Dessau, Archivale des Monats Mai 2018: „Nachricht vom Schlachtfeld des Weltkrieges 1914“

Kontakt: Stadtarchiv Dessau-Roßlau
Heidestraße 21
06842 Dessau-Roßlau
Tel.: 0340/204-1024
E-Mail: stadtarchiv@dessau-rosslau.de